Trauerphasen

 

4 Phasen der Trauerbewältigung (nach Doris Wolf)

 

Frau Dr. Doris Wolf (geb. 1954) ist Diplom-Psychologin und promovierte 1988 an der Uni Heidelberg. Sie ist als praktizierende psychologische Psychotherapeutin in Mannheim tätig und beschreibt in Ihrem Buch "Einen geliebten Menschen verlieren. Vom schmerzlichen Umgang mit der Trauer" (erschienen in Mannheim: PAL, 2005) vier Phasen der Trauerbewältigung:

(1) Nicht-Wahrhaben-Wollen: Phase der Verleugnung und des Schocks

Der Trauernde ist wie erstarrt, will nicht wahrhaben und kann nicht glauben, dass der geliebte Mensch gestorben ist bzw. der Kranke wirklich tot ist. Er reagiert mit einem Gefühlsausbruch und bewegt sich wie in Trance.

(2) Aufbrechende Gefühle - schmerzlichste und schwierigste Phase

Die trauernde Person leidet unter Gefühlsschwankungen und der Körper ist vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten. Der Trauende verspürt das volle Ausmaß und den Schmerz sowie die Heftigkeit von Gefühlen der Verzweiflung, Angst, Hilflosigkeit und Einsamkeit. Häufig werden diese Gefühle von Wut, Schuldgefühlen (gegenüber sich selbst und/oder dem Verstorbenen) und körperlichen Beschwerden (z.B. Ruhe-losigkeit, Appetitverlust, Gefühle des Zugeschnürtseins) begleitet. Das äußere Leben und Umfeld erscheint wie ein Theaterstück, an dem man nicht mehr teilhaben kann. Lebensverändernde Entscheidungen (z.B. Jobwechsel) sollten in dieser Phase nicht getroffen werden.

(3) Langsame Neuorientierung:

Der Trauernde beginnt den Verlust langsam zu akzeptieren und sich wieder nach außen zu orientieren. Trotz starker Stimmungsschwankungen, ist die Trauer nicht mehr so intensiv und der trauernde Mensch entwickelt ein neues Selbstwertgefühl, widmet sich wieder alten Aktivitäten oder sucht sich neue Aufgaben. Der Körper findet allmählich wieder zu seinem normalen Rhythmus.

(4) Neues Gleichgewicht:

Der trauernde Mensch gelangt zu einem neuen körperlichen/seelischen Gleichgewicht und findet einen neuen Sinn im Leben. Auch wenn er zeitweise noch mit Wehmut an die Vergangenheit denkt, sieht er doch vertrauensvoll bzw. zuversichtlich in die Zukunft und fühlt sich wieder im Gleichgewicht. Die Erkenntnis festigt sich, dass man die verstorbene Person zwar nicht ersetzen oder vergessen kann, aber der Blick wird auf das gelenkt, was derjenige noch im Leben hat. Zur Bewältigung von Alltagsaufgaben wurden neue Fähigkeiten entwickelt oder eine neue Lebensaufgabe wurde gefunden. Die Trauerarbeit ist beendet.

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Wichtiger Hinweis zu den Phasen der Trauer :

Der Prozess der Trauer verläuft nicht zwingend kontinuierlich und die einzelnen Phasen werden nicht automatisch durchlaufen. Es kann auch zu Rückschritten innerhalb des Prozesses kommen bzw. können trauernde Menschen in einer Phase verharren. Manche Phasen können sich überlappen, übersprungen werden oder sich miteinander vermischen. Auch sollten die einzelnen Phasen nicht als absolut betrachtet werden. Nicht jeder Trauernde durchläuft alle Stadien in exakt der benannten Reihenfolge oder mit einer vorhersehbaren Zeitspanne. Sie sollten vielmehr als nützliche Informationen und Wegweiser begriffen werden, um ein Verständnis für Verhaltensweisen innerhalb des Trauerprozesses zu entwickeln.
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